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Die Wandlung in einen Vampir


Die Wandlung in einen Vampir

Beitragvon Madun » Freitag 30. Dezember 2016, 18:06

Auszug aus einem handgeschriebenen Buch, gebunden in Hirschleder und auf das Jahr 1478, Florenz, datiert sowie in Latein verfasst. Das auf einer okkulten Auktion in Prag in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts wieder aufgetauchte Werk trägt den Titel "Über die Natur der Verdammten", verfasst von einem nicht namentlich genannten Autor mit den Initialen A.V. d. I.

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Hoffnungslos romantisiert hingegen wird die Vorstellung davon, der Welt des Lichtes den Rücken zu kehren, womöglich gar in die Arme eines Geliebten getrieben, mit dem man nur so ewiglich vereint sein könne. De facto kennt ein Vampir nur noch zweierlei Bindung – das Eine ist jenes Band zwischen Schüler und Mentor, Schöpfung und Schöpfer. Die Zweite hingegen ist relativ selten, da sehr riskant, und entsteht nur, wenn zwei Vampire entscheiden, ihr Blut zu tauschen und damit die sogenannte Bluthochzeit zu begehen. Doch darum soll es hier nicht gehen.
Auch unterliegen Viele dem Irrtume, dass ein jeder Biss bereits die Wandlung herbeizuführen vermag. Dem ist nicht so, und ein jeder Vampir möge sich sehr weise überlegen, wen er sich zum Schüler zu nehmen gedenkt, und vor allem, ob. Um die Wandlung zu vollziehen, ist kein Einverständnis des Gebissenen notwendig, ja es erleichtert nicht einmal den folgenden Prozess, dem ich vorsichtig die Bezeichnung eines Ritus geben möchte. Eingeleitet wird dieser, wie auch zur gewöhnlichen Nahrungsaufnahme, mit einem Biss, vorzugsweise in den Hals oder eine andere, große Ader, zumindest bei einem Opfer, das zuvor unversehrt war, man kann es aber auch bei einer Person, die dem Tode durch Verbluten bereits nahe ist, durchführen. Auch ist es nicht vonnöten, alles selbst zu trinken, wichtig ist nur, den Menschen, oder welche Kreatur man auch entschied, zu der Eigenen zu machen, bis an jenen Punkt kurz vor dem Verbluten zu führen, da das Herz zu schlagen aufhört. Dies ist der Moment, das eigene Blut zu verabreichen, es ist wichtig, dass der Gebissene noch zu schlucken vermag oder den Puls hat, eine Injektion mittels einer Nadel durch den Körper zu verteilen (ob dies in der Praxis jedoch ebenso zuverlässig funktioniert, ist mir persönlich nicht bekannt).

In diesem Moment beginnt das Blut des Mentors, den Körper des Sterbenden zu regenerieren, was aufgrund dessen Blutarmut ein zumeist sehr langer, sehr schmerzhafter Prozess ist, an dessen Ende jede Faser des Leibes nur noch durch das sie erfüllende, vampirische Vitae vor dem Tode bewahrt und sie dennoch nicht wieder zum Leben zu erwecken vermocht wird. Es ist zudem erwiesen, dass die Macht, das Alter und die Stärke des Schöpfers maßgeblich beeinflusst, wie lange die Wandlung an Zeit benötigt, denn je mächtiger das geschenkte Blut, desto effektiver wird natürlich auch die Transformation durchgeführt. Die kürzeste, mir bekannte Dauer hierfür belief sich auf ungefähr 16 Stunden der Qual unter einem Schöpfer, der nahezu eine vierstellige Anzahl der Jahre an Existenz zählte. Ein junger Artgenosse möge sich bewusst sein, dass sein egoistisches Vorgehen, sich zu früh einen Schüler aneignen zu wollen, diesen mit Tagen, ja gar einer Woche in Krämpfen, elendem Hunger und vor allem recht auffälligem und meist unkontrolliertem Schreien strafen würde, so derjenige diesen Ritus überhaupt überlebt.
Es ist also unbedingt dafür zu sorgen, dass für einen bestimmten Zeitraum ein vor Sonne und Eindringlingen geschütztes Terrain zur Verfügung steht, wohin der zu Wandelnde entweder noch vor dem Austausch des Blutes, spätestens aber kurz darauf gebracht werden und bestenfalls auch kein Außenstehender durch Lärm aufmerksam gemacht werden kann.
Aus Erfahrung kann ich versichern, dass es weder notwendig ist, während des Ritus die Schöpfung anzuketten oder gar einzusperren, da bis auf die Krämpfe und gelegentliches Zucken der sich regenerierenden Muskeln und Organe keinerlei Regung möglich ist. Eine große, bequeme Unterlage oder ein Bett genügen vollkommen. Es empfiehlt sich jedoch unbedingt, mit dem Abebben dieser den Jungvampir entweder zu bändigen oder ihm sofort frische Nahrung zur Verfügung zu stellen, da dieser nachvollziehbarerweise Hunger verspüren wird, der quälender nicht sein könnte.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal die Verantwortung betonen, die jeder Schöpfer seiner Kreatur gegenüber hat. Wird diese verstoßen, von seinem Meister getrennt oder stirbt dieser gar, bevor ein gewisser Grad an Kontrolle und Eigenständigkeit erreicht ist, ist es nahezu sicher, dass der von seiner wichtigsten Bindung Gelöste dem Wahnsinn anheime fällt, bis die Sonne, ein Pfahl oder der gierige Schlund des Feuers sein Leid beendet. Mir ist jedoch auch bekannt, dass diese Geschöpfe ebenso als Werkzeuge des Chaos und der Verwüstung gerade im Kriege genutzt werden können, in dem Falle gilt diese Verantwortung selbstverständlich nicht.
Und so ist es dann vollbracht, und nichts ist vergleichbar mit dem Gefühl, da der Jungvampir die Welt zum ersten Male mit seinen neuen Sinnen betritt, der erste Gang ins Freie. Die Nacht so hell wie niemals zuvor, jeder Laut so deutlich, jede Nuance des nächtlichen Geruches so klar, selbst der Wind auf der nun blassen Haut fühlt sich anders an. Es muss klar sein, dass in den ersten Jahren die Führung des Meisters unerlässlich ist, egal zu welchem Zwecke er sich eine Schöpfung zueigen machte. Darunter zählt nicht nur, zu helfen den Hunger zu kontrollieren, sondern auch grundlegend zu lehren, unter Menschen, Wesenheiten und sogar Seinesgleichen zu überleben, denn Vampire sind keine große Familie. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade jene Spezies, die so vollkommen unberührt ist von den Makeln der Vermehrung und gekreuzter Blutlinien, so doch umso gewalttätiger das Recht des Stärkeren durchsetzen. Ein guter Mentor wird seinen Schüler so lange beschützen, bis er sich auch gegen andere seiner Art zu behaupten weiß, es ist allerdings jedem selbst überlassen, wie lange er über seine Schöpfung zu wachen bereit ist

Es empfiehlt sich, bereits früh mit der Kontrolle der Nahrungszufuhr zu beginnen, statt Leiche um Leiche entsorgen zu müssen – ein Jungvampir wird nicht aufhören, bis der letzte Tropfen versiegt ist. Geeignete Mittel hierzu sind...
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Madun
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